René Träder | 3 Tipps, wie Dir eine Paprikaschote helfen kann, Deinen Traumjob zu bekommen
Bewerbung, Lebenslauf, Anschreiben
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3 Tipps, wie Dir eine Paprikaschote helfen kann, Deinen Traumjob zu bekommen

Im Gemüseregal habe ich neulich etwas entdeckt, was mich sehr fasziniert hat. Ich musste dabei direkt an das Thema Bewerbungen denken.

Ich will Dich nicht lange auf die Folter spannen: Was mich im Gemüseregal so fasziniert hat, war eine Paprikaschote.

Ich glaube, dass wir von dieser Paprikaschote etwas Entscheidendes lernen können, um bessere Bewerbungen zu schreiben und um erfolgreicher im Vorstellungsgespräch zu sein.

Es handelt sich aber nicht um irgendeine Paprikaschote, nicht um eine rote oder grüne oder gelbe, sondern um eine Tigerpaprikaschote.

Die heißt nicht so, weil sie besonders scharf ist, sondern weil sie gelb-rot gesprenkelt ist.Das ist das ganze Geheimnis.

Und übrigens war sie ein bisschen teurer als ihre roten, grünen und gelben Kollegen.

Spätestens jetzt ahnst Du sicher, in welche Richtung der Artikel geht. Genau, es kommt kein schmackhaftes Kochrezept. Sondern – wenn überhaupt – eine wichtige Zutat für Bewerbungen. Nämlich Selbstbewusstsein.

Ich habe wirklich keine Ahnung, ob es schwierig war, eine gelbe mit einer roten Paprika zu kreuzen. Aber selbst wenn: Das Ergebnis ist nichts, was einen umhauen muss. Die Schote ist nicht nur gelb oder nicht nur rot, sondern gesprenkelt. Wow.

Ich habe auch keine Ahnung, wie sie schmeckt, weil ich sie nicht gekauft habe. Aber vermutlich wird sie wie eine rote oder gelbe Paprikaschote schmecken. Wow.

Klar, man kann den Look besonders spannend finden. Es ist halt mal was anderes.
Schönheit liegt ja schließlich im Auge des Betrachters. Und dafür sind einige auch bereit, mehr Geld zu bezahlen.

Es ist eben alles eine Frage des Marketings. Und das gilt nicht nur bei Gemüse, sondern auch bei BeWERBUNGen.

 
Was genau ist der „Trick“ der Paprikaschote? Was genau können wir also von ihr lernen?

Ganz einfach: Sie hat aus einer ihrer Eigenschaften etwas Greifbares gemacht, etwas was man sich merken kann, was spannende Assoziationen auslöst. Und vor allem hat sie die Bewertung über sich aktiv gestaltet. Der letzte Punkt ist vielleicht der wichtigste.

Ich will es deshalb nochmal anders erklären:
Stell Dir einen Bauer vor, der seine Paprikaschoten geerntet hat und nun auf dem Markt steht, um sie zu verkaufen. Eine Frau schlendert über den Markt und fragt den Bauer, ob er heute denn schöne Paprikaschoten habe.

Der Mann zeigt auf einen Korb. Er sagt, dass er ganz wunderbar grüne Paprikaschoten hat. Dann zeigt er auf einen Korb mit roten und schließlich mit gelben. Sie hätten einen tollen fruchtigen Geschmack und wären ausgesprochen lecker.

Während die Frau noch überlegt, greift der Mann unter den Tisch und holt noch einen weiteren Korb hervor. Etwas verschämt greift er nach eine der Paprikaschoten und sagt: „Die sind mir etwas missglückt. Nicht ganz gelb, nicht ganz rot. Also sie schmecken auch gut. Aber die sehen nicht ganz perfekt aus. Vielleicht eher was für einen Eintopf zum Kleinschnibbeln.“

Kauft die Frau eine dieser „missglückten Schoten“ oder wird sie wohl eher zu den klassischen grünen, gelben oder roten greifen? Vermutlich ist sie nach seiner Erklärung aber nicht bereit, auch noch etwas mehr für die gesprenkelten Schoten zu bezahlen. Vielleicht wird der Bauer sie sogar etwas preiswerter anbieten.

Genauso wie der Bauer verhalten sich viele bei Bewerbungen. Vielleicht kennst Du das ja auch von Dir selbst.

Vielleicht hast Du ein Studium abgebrochen oder erst gar keins begonnen. Vielleicht hast Du ewig lange den immer gleichen Job (im gleichen Unternehmen) ausgeübt oder hast ihn alle paar Monate gewechselt. Vielleicht hast Du lange gar nicht gearbeitet…

Es gibt viele Dinge, die bei der Bewerbung ein Stolperstein sein können. Also Dinge, die einen Personaler abschrecken können.
Manche, die auf Jobsuche sind, lassen sich sogar selbst von ihrem Lebenslauf abschrecken. Sie sehen eine Job-Anzeige oder haben einen Wunsch-Job im Sinn, machen aber keine Bewerbung fertig, weil sie davon ausgehen, dass sie eh nicht genommen werden.

Probleme beim Bewerben (also keine Einladungen zu Vorstellungsgesprächen und viele Absagen) haben viel mit dem eigenen Mindset zu tun. Wenn man sich selbst nicht geeignet fühlt, wird es schwer, ein Unternehmen vom Gegenteil zu überzeugen.

 

Vor einer Bewerbung kommt eine ehrliche, aber konstruktive Selbstanalyse

Wer sich bewirbt, sollte sich immer sehr genau überlegen, was er/sie zu bieten hat. Und damit meine ich nicht, dass man Excel kann und mal irgendwas studiert hat, was zu der Branche passt.

Das wird einem nicht viel helfen, außer man ist ein besonderer Excel-Crack und kann mit den Tabellen Dinge zaubern, von denen andere noch nicht mal gehört haben.

Die entscheidende Frage ist deshalb: Was macht mich besonders?

In Coachings erlebe ich immer wieder, dass viele sich mit dieser Frage schwer tun. Schnell wird dann aufgezählt, was im eigenen Lebenslauf besonders schlecht gelaufen ist.

Wenn es Dir beim Denken hilft, dann schreibe all das erstmal auf. Also Gründe, weshalb Du nicht so toll zu der Stelle passt, die Du willst.

Im 2. Schritt wäre schön, wenn Du aber auch noch ein paar Dinge notierst, die für Dich sprechen.

Im Coaching erlebe ich, dass selbst bei den positiven Punkten einige immer noch deprimiert wirken. Neulich sagte jemand zu mir: „Naja, fließend Englisch und Spanisch sprechen auch andere Menschen. Und Auslandserfahrungen in Süd- und Nordamerika und Europa haben auch viele.“
Vielleicht musst Du jetzt schmunzeln, denn bei anderen fällt uns viel leichter auf, was gut läuft. Mit uns selbst sind wir oft kritischer.

Klar, er hatte ja völlig Recht. Das können/haben auch viele andere. Aber möglicherweise nicht in dieser Kombination. Das kann für ein Unternehmen ein interessanter Aspekt sein.

 

Tipp 1: Fang an in Kombinationen zu denken

Erinnere Dich an die Paprikaschote: Das Besondere an ihr ist, dass sie nicht nur gelb und nicht nur rot ist, sondern beide Farben beinhaltet.
Suche gezielt nach Kombis in Deinem Lebenslauf. Hier ein paar Beispiele:

  • Erst Medizin, dann Jura studiert
  • Gute Kenntnisse in Englisch und Spanisch
  • Für ein Familienunternehmen und einen Weltkonzern gearbeitet
  • Für die Wirtschaft und den Non-Profit-Bereich gearbeitet
  • In Berlin und London gearbeitet
  • Im Verkauf und Einkauf gearbeitet

 

 

Tipp 2: Fang an konstruktiv zu denken

Erinnere Dich an den Bauern auf dem Markt. Wenn er die Paprikaschote als misslungen bezeichnet, wird das nix. Versuche scheinbar negative Dinge positiv zu deuten. Dabei geht es nicht darum, zu lügen. Es geht um eine ehrliche Auseinandersetzung. Hier ein paar Beispiele:

  • Karrierebrüche können den Blickwinkel erweitern, z.B. für Branchen, Strukturen, Formen vom (Zusammen-)Arbeiten

 

  • Die Erfahrung, gefeuert worden oder (lange) arbeitslos gewesen zu sein, kann die Einstellung zu Branchen, Strukturen, zum Arbeiten generell oder zu gesellschaftlichen Konventionen verändert haben

 

Durch ein berufliches Scheitern (innerhalb eines großen Projekts oder einer Selbständigkeit) kann man viel gelernt haben, über sich, Prozesse, Strukturen, einem Produkt, einer Branche, einem Markt, einer Zielgruppe etc.

 


Tipp 3: Fang an, Dir ein Branding zu geben

Erinnere Dich an die Paprikaschote, die nicht einfach nur rot-gelb-gesprenkelte Paprikaschote heißt, sondern den Namen Tigerpaprika bekommen hat.
Du musst Dir jetzt keinen neuen Namen geben, aber vielleicht findest Du einen Begriff oder zumindest eine griffige Bezeichnung für das, wofür Du stehst.
Denkbar ist auch, das in eine Geschichte im Sinne des Storytellings zu packen.

Ziel ist, dass das Unternehmen direkt versteht, was Du mitbringst, wer Du bist, welche Vorteile es bringt, Dich einzustellen. Außerdem sollen sie sich an Dich erinnern. Wenn auf dem Schreibtisch des Personalers 50 Bewerbungen liegen, brauchst Du einen Wiedererkennungswert.
Und auch nach dem Vorstellungsgespräch sollst Du noch in den Köpfen der Menschen sein, mit denen Du gesprochen hast.

Hier ein paar Beispiele für den Fall dass jemand sehr gute Rechtschreib- und Grammatikkenntnisse hat und sich um einen Job bewirbt, bei dem das wichtig ist:

  • Ich bin der natürliche Feind von Rechtschreibfehlern.
  • Ich = Auftragskiller für Rechtschreibfehler
  • Ich = Bundesrechtschreibminister (nannten mich meine früheren Chefs)
  • Story: In der Grundschule habe ich mal eine 6 im Diktat bekommen. Obwohl ich alles richtig hatte. Meine Lehrerin wollte mir nicht glauben, dass ich nicht geschummelt habe. Sie sagte, dass bei diesem schweren Diktat selbst Erwachsene meist Fehler machen. Rechtschreibung hat mir schon immer gelegen. Ich liebe Wörter und Grammatik.

 

Dieses Branding kann man schon in die Bewerbungsunterlagen einfließen lassen. Spätestens beim Vorstellungsgespräch sollte man es fallen lassen.

Ich finde, dass man auch ruhig mal mutige Wege gehen darf. Die meisten Bewerbungsunterlagen sehen schrecklich langweilig aus. Wie wäre es, wenn der Bewerber aus dem Beispiel die Metapher vom Auftragskiller oder Bundesrechtschreibminister schon im Layout seines Anschreibens oder auf dem Foto sichtbar macht?

 

Die Tigerpaprikaschote hat ihre Hausaufgaben gemacht – jetzt bist Du dran!

Versuche für die 3 Aspekte, die ich Dir beschrieben habe, eigene Inhalte zu finden. Mal Dir Deinen Lebenslauf dafür am besten auf einem großen Stück Papier auf.
Dort kannst Du dann auch wichtige Projekte, Entscheidungen, Erfahrungen etc. an den jeweiligen Stationen notieren.

Wo siehst Du Gemeinsamkeiten, also einen roten Faden? Wo siehst Du Gegensätze?
Was hast Du jeweils gelernt?
Welche Metaphern fallen Dir zu Deinen Schlüsselqualifikationen/Leidenschaften oder Deiner Persönlichkeit ein?
Durch welche Storys kann man, was Du mitbringst und was Dich ausmacht am besten begreifen?

Extra-Tipp: Lass Dir dafür Zeit und gehe die Visualisierung mit anderen durch. Im Gespräch wird vieles oft klarer. Außerdem können andere Dich auf Aspekte aufmerksam machen, für die Du betriebsblind bist.

Ich wünsche Dir viel Erfolg beim Bewerben und erstmal eine gute Zeit!

René

 

PS: Ich glaube übrigens, dass es keine perfekte Bewerbung gibt. Bewerbungen sind wie Paprikaschoten Geschmacksache. Man weiß meistens nicht, bei wem die Bewerbung landet. Deshalb versuche erst gar nicht, eine perfekte Bewerbung zu machen, sondern achte darauf, dass Du Dich von der Masse abhebst, um gesehen zu werden und in Erinnerung zu bleiben. Außerdem sollte Deine Bewerbung immer individuell sein. Verabschiede Dich von Standardbewerbungen, von denen man 10 pro Tag losschicken kann.

 

Und hier noch eine kleine Motivation für Dich, um nicht zu lange zu warten. Fang an, wenn Du etwas ändern willst.

 

 

 

 


 

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